Reisebericht Caro Thaller - Teil 1.1

Fortschritte in Musa

Wie Helke im August, durfte auch ich zwei Wochen in Babakars neu gebauten Haus wohnen. Die Ankunft war aufregend, die ganze Familie war gesammelt auf dem Hof.
Viele Frauen, darunter Babakars Tante und einige Schwestern, saßen im Schatten des Hauses und trennten Erdnüsse vom Stroh, Cothia, Babakars Frau bereitete das Essen zu, eine Schwester kochte Tee und die Männer entspannten sich nach der Arbeit auf dem  Feld. Alle schienen sehr erfreut wieder Besuch einer „Toubab“ zu bekommen. Ich wurde sehr herzlich und nett aufgenommen, obwohl sich unsere Kommunikation auf Zeichensprache beschränkte.
Nach einem Mittagessen, das, wie üblich, aus Reis und Fisch bestand, brachte mich Babakar auf seinem Motorrad nach Musa. Dort zeigte er mir, was sich auf der Plantage seit Helkes Aufenthalt alles getan hat.

 

Die Chilis, von denen Helke berichtete sind nun alle geerntet. Den Erlös hat Babakar in Melonenanbau reinvestiert: ein Hektar direkt in Musa und sieben Hektar in Wande.
Die mit Melonen bewirtschaftete Fläche in Musa befindet sich direkt neben den zwei Hektar Erdnussplantage und wird täglich von einem Mitarbeiter vor den wild grasenden Kühen des Nachbarn bewacht.
Der Großteil der Erdnüsse liegt inzwischen gesammelt in kleinen Haufen auf dem Feld, um noch weiter abzutrocknen. Laut Babakar steigt der Verkaufspreis, je trockener die Hülsenfrüchte sind. Ein anderer Teil der Ernte lagert bereits im Hause der Familie, um dort geröstet und anschließend in Erdnussbutter verarbeitet zu werden. Diese wird Babakars Mutter dann auf dem Markt an der Hauptstraße verkaufen.

Während meiner Zeit bei Babakar haben wir drei kleine Flächen Tomaten angebaut: zwei mit konventionellen Hybridsamen aus dem Geschäft in Kaffrine und eine mit samenfesten Bio-Samen aus Deutschland.
Die Samen hat mir Uta mitgegeben, um Babakar zu ermuntern seine Samen selbst zu reproduzieren, um unabhängig von Saatgutunternehmen zu sein und um Kosten einzusparen.

Babakar willigte ein, die Samen aus der Ernte aufzubewahren und die Kultur bei lukrativen Erträgen eventuell sogar erneut zu etablieren. Für mich ein kleiner Erfolg auf dem Weg zu mehr Effizienz und gleichzeitig nachhaltigerem Denken und Wirtschaften.

Des weiteren bereiteten wir die Hühnerställe vor. Nach der Zuchtpause, bedingt durch Toubasci und die Regenzeit, sollten jetzt wieder 400 kleine Küken dort wohnen. Innerhalb weniger Wochen, würden diese zu Hühnern heranwachsen und auf dem Markt in Kaffrine verkauft.Immer wieder kommt es vor, dass Babakar einen Anruf erhält und kurz darauf auf seinem Motorrad sitzt, mit einem gefrorenen Huhn unter dem Arm. Er arbeitet selbst und ständig und manchmal eben auch als Hühnchen-Courier.


Das erste Mal sollte in Musa nun auch ein Kompost angelegt werden. Heu, Stroh, Pflanzenreste und Tierkot werden dabei zu Humus. Auf den Feldern ausgebracht, würde dieser Pflanzen mit Nährstoffen versorgen und die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöhen. Eine wichtige und effiziente Methode, die stark ausgetrockneten, harten Böden besser für die Bepflanzung nutzbar zu machen.