Reisebericht Uta Mewes - Teil 1

Hofimpressionen

Seit meinem ersten Besuch in Babakars Familie hat sich im Gefüge der Menschen, die hier zusammenleben, viel gewandelt.
Nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren, die deutlich gesünder sind und bei den Häusern, die zum Hof gehören.
Ein neues Wohnhaus ist entstanden und riegelt den Hof nach Süden ab. Unter seinem Dach beherbergt es 5 Zimmer, die zum Teil schon genutzt werden, wie das Gästezimmer mit eigenem Bad, wo ich dieses Mal untergebracht bin.

Der Rohbau entstand mit Spenden aus Prien, um für Besucher aus Deutschland eine Übernachtungsmöglichkeit am Hof zu schaffen.Verputz und Farbgestaltung am Hof konnte Babakar zum großen Teil selbst finanzieren.

Während ich den privaten Rückzugsraum schätzte, nutzten die Frauen die bunt gefliesten Terassenplätze vor dem neuen Haus zum Arbeiten und Ruhen.

 

Egal wie heiß die Sonne zur Mittagszeit in den Hof brannte, es waren immer genügend Schattenplätze für alle da.

Schatten, ein kostbares Gut, zumal der Hofbaum vor zwei Jahren eingegangen war und die gnadenlose Sonne fast jeden Schattenplatz, den eine Mauer warf zur Mittagszeit aufsaugte. Das kleine von Steinen umgebene Bäumchen, das einmal der neue Hofbaum werden sollte, kämpfte da noch um seine Daseinsberechtigung.

 

Auf den Terassenplätzen wurden Mengen von Erdnüssen geknackt, eine rhythmisches Geräusch, was immer wieder von Plaudereien der Frauen überlagert wurde.

Während der Regenzeit waren zum ersten Mal wieder 4,5 ha Land mit Erdnüssen und Hirse bestellt wurden, was den Eigenbedarf der Familie für ein Jahr an Couscous und Erdnüssen deckte. Von Letzteren war der Vorrat so groß, dass die Frauen diese geschält oder zu Erdnussbutter verarbeitet, verkaufen konnten. Ein kleiner Beitrag, um die Grundversorgung am Hof zu stabilisieren. 500 CFA (ca. 1 Euro) bekommt man auf dem Markt für ein Kilo Nüsse. Die achtfache Menge braucht es, um die Grundversorgung aller Menschen am Hof für einen Tag sicher zu stellen. Da waren noch keine Extras wie Attaya, Obst oder eine kleine Naschereien für die Kinder enthalten, geschweige denn Hospital- und Medikamentenkosten.

Aber man tut was man kann und Inschallah ("so Gott will", typ.senegal. Redewendung), wird man die anfallenden Kosten miteinander bewältigen.

 

Während Frauen und Mädchen am Vormittag Erdnüsse knackten, oder die Wäsche mit der Hand wuschen, kochte eine von ihnen für alle zu Mittag, auch für die Familienmitglieder, die außerhalb arbeiteten und denen das Essen gebracht werden musste.

Wenn Babakars Mutter von ihrem Marktstand nach Hause kam, wurde der Nachmittag mit Attaya trinken eingeleitet.

Das typische Teeritual besteht aus dem mehrfachen Aufbrühen und schäumen von starkem Grüntee mit Zucker und wird in den meisten Familien und unter Freunden überall praktiziert.

 

Dann war es Zeit, sich auszuruhen. Die Entenschar, die drei Gänse und der imposante Puter wurden aus dem Stall gelassen. Der Puter warb um die Gänse, Ziegen sprangen über den Hof und die drei Esel zogen ihrer Wege. Doch am Abend fand sich die Mensch und Tier wieder am Hof ein. Es wurde Abendessen für alle Hofbewohner bereitet und ein Tag, an der Perlenschnur der Tage, ging zur Neige.

Als dann der Mond mit seinem weißen Licht über den Hof wanderte, die Luft von Gesängen aus den Moscheen erfüllt wurde und die Esel sich ein Konzert gaben, wurde der Fernseher am Solarspeicher angeschlossen und draußen auf der neuen Terasse so lange geschaut, bis der Stromvorrat zur Neige ging.

Senegalesische Musik, Werbung und senegalesische Filme in Wolof boten ein abwechslungsreiches Programm und konnten durchaus Themen behandeln, die die Menschen des Landes im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne bewegten. Ein leiser Aufbruch war am Hof zu spüren, trotz allem, was ungelöst den Alltag der Menschen begleitete.

So nahm ich es war, zum zweiten Mal zu Gast bei Babakar.